03/ Aktuell

14.01.2026

Festveranstaltung "70 Jahre Anwerbeabkommen Deutschland-Italien" - Hinter jedem politischen und gesellschaftlichen Meilenstein stehen Millionen von Biografien.

Hier geht es zum Livestream der Veranstaltung

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lebenswege vor Ort – Wir schaffen Begegnungen“ des Online-Migrationsmuseums „Lebenswege“ inszenierten wir ein besonderes Jubiläum: 70 Jahre deutsch-italienisches Anwerbeabkommen.

Als wir vom Integrationsministerium Rheinland-Pfalz den Auftrag erhielten, war unser Anspruch klar: Wir wollen keine Rückschau. Wir wollen den Moment greifbar machen, der Deutschland für immer veränderte.

Das Glashaus des Staatstheaters Mainz bot die perfekte Kulisse. Transparent, offen und mitten im Herzen der Gutenbergstadt. Mein Ziel in der Konzeption war es, den Bogen vom 20. Dezember 1955 bis in unsere heutige Zeit zu spannen, mit besonderem Fokus auf die Menschen, die in den ersten Jahren als „Gastarbeiter“ nach Deutschland kamen und jener, die in zweiter und dritter Generation hier leben.

Ein Plädoyer für Vielfalt und Demokratie

Einer der intensivsten Momente des Abends war der Beitrag von Dr. Alessandro Bellardita, Strafrichter, Lehrbeauftragter und Publizist. In seinem Plädoyer bezog er sich auf Artikel 1, Absatz 1 des Grundgesetztes "Die Würde des Menschen ist unantastbar" und brachte seine Aussagen in den Kontext der politischen Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt: „Die Würde des Menschen ist nichts anderes als das Recht Rechte zu haben. Das Recht Rechte zu haben, Teil einer Gemeinschaft zu sein, anerkannt zu werden als Mensch in seiner Besonderheit, in seiner Andersheit.“  

Generationen im Dialog

Geschichte wird durch Erzählungen lebendig. Unter der Leitung von SWR-Moderatorin Susanne Babila brachten wir in der Runde „Generationen im Gespräch“ Menschen zusammen, die stellvertretend für die Vielfalt unseres Landes sind:

  • Silva Burrini, die als Zeitzeugin das Online-Migrationsmuseum „Lebenswege“ mit ihrer Geschichte füllt.
  • Maja Hattesen (SWR) und Giovanni Rappa (Polizist und Stadtrat), die zeigten, wie tief die Wurzeln der Migration in alle Bereiche unserer Gesellschaft reichen.

Wissenschaft trifft politische Realität

Was damals als wirtschaftliche Notwendigkeit begann, entwickelte eine Dynamik, die Deutschland unterschätzt hatte. Der Migrationsexperte Prof. Dr. Karl-Heinz Meier-Braun hinterfragte im Gespräch mit Moderator Miguel Vicente die Versäumnisse und Erfolge der letzten 70 Jahre. Sein Appell war deutlich: Eine ehrliche Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsgesellschaft ist kein „Kann“, sondern ein „Muss“.

Ein Fazit für die Zukunft

„Ankommen, Bleiben und Wurzeln schlagen“, dazu diskutierten Integrationsministerin Katharina Binz, Jurist Dr. Bellardita, Intendant Markus Müller und das Publikum.

Für mich als Agenturinhaberin war dieser Abend ein ganz besonderes Projekt. Es war der Beweis, dass die Aufarbeitung von Migrationsgeschichte am stärksten ist, wenn es historische Fakten mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen und den Menschen verknüpft, um die es geht. Wir haben nicht nur an ein Abkommen erinnert – wir haben die Menschen gefeiert, die dieses Land seit 1955 mit aufgebaut haben.

Kooperationspartner der Veranstaltung

Die Festveranstaltung aus der Reihe „Lebenswege vor Ort – wir schaffen Begegnungen“ war eine Kooperation des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, des Beauftragten für Migration und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, des Staatstheaters Mainz sowie unserer History Marketing Agentur hpunkt kommunikation.

Seit 2012 bringt die Veranstaltungsreihe, die ich im Auftrag des Integrationsministeriums konzipiere und umsetze, Themen des Museums mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie mit prominenten Politikern, Kulturschaffenden, Medienvertretern, Wissenschaftlern und jungen Menschen in der analogen Welt zusammen.

Seit Beginn hat hpunkt kommunikation im Auftrag des Integrationsministeriums 21 Veranstaltungen realisiert, auch in Form von Workshops und Diskussionsrunden an Schulen.

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